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Ein paar grüne Schuhe oder Lauf, Jonathan lauf
von Robbe (13)
publiziert am 1. August 2008

Eulen-Bewertung:

1...Ich wache am Morgen aufSetzte mein Gesicht aufDas eine, dass mich durch einen weiteren Tag bringen wirdEs ist nicht so wichtigWie ich mich innerlich fühleDieses Leben ist manchmal wie ein SpielAvril Lavigne: Naked...Das Radio tönte leise im Hintergrund, während ich mir meine Jacke überzog. Welches Lied gerade lief, konnte ich nicht hören. Wahrscheinlich weil ich zusehr damit beschäftigt war, meinen rechten Schuh unter dem Kleiderschrank hervorzuziehen. Staub blieb an meinen Fingern kleben und eine kleine Spinne flüchtete vor meiner Hand, als ich den weissen Schuhbendel endlich zu fassen kriegte. Rasch setze ich mich auf den kleinen Holzhocker, der in unserem Gang stand und schlüpfte in den linken Schuh. Er war mir ein bisschen zu klein, darum musste ich meine Zehen anfangs ein wenig einrollen, damit ich hineinkam. Beim zweiten, dem rechten Schuh, war es natürlich das selbe. Besorgt strich ich noch ein Mal über den braunen Stoff und überprüfte die Knoten, je drei Mal, wie ich es immer tat. Die Schuhe, waren nämlich das wichtigste in meinem Leben. Von denen hing alles ab, wieso erfahrt ihr später. So schnell ich konnte, ging ich noch einmal in die Küche zurück, um mir mein Pausenbrot und den Schulranzen zu holen. Der Geschirrberg von gestern, stand immernoch in der Spüle. Ich musste an Papa denken, der heute Morgen kurz nach vier, bevor er zur Arbeit ging, noch felsenfest überzeugt davon gewesen war, dass er den Haushalt auch allein schaffte. Das sagte Papa oft, aber ich glaube, dass erzählte er mir nur um sich selbst Mut zu machen, denn meistens machte ich nämlich den Haushalt, inklusive dem Geschirr. Das war so, weil Mama nicht mehr da war. Sie starb, als ich sechs wurde, genau am meinem Geburtsag, als sie mich mit einem Kuss weckte. Ich weiss auch nicht, wie genau, oder warum es geschah, aber sie kippte um und blieb einfach liegen. Zuerst hatte ich es gar nicht kapiert, dass sie tot war mein ich. Ich dachte, sie hätte das extra gemacht um mir einen Schrecken einzujagen. Ausserdem wusste sie ja, das ich Gruselbücher mochte und mir einen „schaurigen“ Geburtstag gewünscht hatte. Es kamen Ärtze und ein Krankenwagen. Sie brachten Mama aus der Wohnung. Ich und Papa blieben zurück.Vorsichtig beugte ich mich über das Kabel unseres Toasters hinweg und schaltete den Radio ab. Dann schloss ich das Fenster, schnappte mir gerade noch rechtzeitig den Schlüssel und raste aus der Tür. Ich und Papa wohnten im vierten Stock, eines alten Mietshauses. Das Haus war nichts besonderes und auch unsere Nachbarn waren normal. Ausser Herr Kohl, vielleicht, den ich spät Abends manchmal durch alle Wände hindurch lachen hören konnte. Unsicher warf ich einen Blick auf meine digital Uhr, auf die ich besonders stolz war. 7: 32 zeigte sie mit ihren knallroten Ziffern an, ich rannte die letzen Stufen hinunter. Ich würde zu spät kommen wenn ich mich jetzt nicht beeilte. Eigentlich wäre das nichts besonderes, schoss es mir durch den Kopf, als ich die Strasse entlang hetze und über den Fussgängerstreifen stolperte. Ich kam oft zu spät und verpasste, den Anfang der Stunde. Frau Habicht, unsere Klassenlehrerin mochte das überhaupt nicht und ich war mir sicher, dass es in ihrem kleinen schwarzen Buch, wo sie die Absenzen der Schüler hineinschrieb, sie hinter meinem Namen schon eine zweite Linie für die Striche gezeichnet hatte. Käuchend liess ich den Kiosk an der Ecke hinter mir und bog in die Hauptstrasse ein. Wieder warf ich einen flüchtigen Blick auf meine Uhr. 7: 36. Ich würde zu spät kommen. Leise fluchend überquerte ich die letze Kreuzung und stand endlich vor dem Schultor. Der Pausenhof war leer. Kein einziges Kind war noch zu sehen. Die Fahrräder standen ordentlich abgeschlossen in ihren Ständern, die Eingangstür war zu und nur ein paar einsame Blätter wehten über den Kiesbestreuten Hof. Mich in Gedanken verfluchend machte ich mich auf den Weg zum Klassenzimmer. Dem Klassenzimmer der 8c. Wiedereinmal kam ich mir noch kleiner vor, als ich ohnehin schon war, als ich kurze Zeit später vor der Tür stand. Mein Herz klopfte wie wild und ich spürte, wie sich ein Kloss in meinem Hals zu bilden begann. Ich beschloss mir die Sache nicht noch schwerer zu machen. Ich klopfte und drückte die Klinke hinunter. Frau Habicht, die an ihrem Pult sass hob den Kopf. Ihre Brille rutschte ihr auf die Nase. „Jonathan Maldewksi“ , sagte sie laut eine Spur mitleid, dass ich nicht ausstehen konnte, klang in ihrer Stimme mit. Die röte schoss mir ins Gesicht. Die anderen lachten- Alle lachten. „Hast du wenigstens eine gute Ausrede?“ , fragte Frau Habicht und zückte bereits ihren Kugelschreiber, das schwarze Buch hatte sie schon auf ihrem Tisch liegen. Mein Mund wurde trocken. Nein, ich hatte wie immer keine Ausrede, jedenfalls keine die besonders gut gewesen wäre. Schweigend schüttelte ich den Kopf und sah zu wie Frau Habicht hinter ihrem Buch einen dicken Strich zog. Als sie damit fertig war, seufzte sie, wie um zu sagen: „Jonathan, Jonathan was soll bloss aus dir werden?“ und deute mir, mich zu setzen. Mir auf die Lippen beissend gehorchte ich und lief auf meinen Platz zu, der am Fenster lag. Neben mir sass niemand, weil niemand neben mir sitzen wollte und das seit der ersten Klasse. Warum genau, verstand ich nie. Vielleicht wegen meiner lachhaften Grösse, wegen der ich wie 12 statt 14 Jahre alt aussah oder meinen blonden Haaren, die ein wenig wie Stroh aussahen und in alle Richtungen standen.Nach zwei ansterengenden Stunden Mathe, einer Lektion Französisch und einer weiteren Doppelstunde: Deutsch, zeigte meine Uhr 12: 15 an. Schulende. Alle Kinder liefen sofort aus dem Zimmer, nur ich nicht. Ich fürchtete mich wie jeden Tag, vor dem Schulende und dem Gong. Obwohl ich wusste was mich erwartete, klopfte mein Herz mir bestimmt bis zum Hals als ich nach zwanzig Minuten warten aus dem Schulhaus kam. Sie waren da. „Hey Maldewski!“ , rief Robin, der Anführer der vier und grinste hämisch. Die Jungen lehnten lässig an der Wand, vor dem Ausgangstor und hatten wie immer auf mich gewartet. Man nannte sie die „Sneakers“, weil sie alle riesige Turnschuhe trugen, die mindestens zwei Mal so gross, wie ihre echten Füsse waren. Sie gingen schon in die zehnte Klasse, waren alle schon 16 und rauchten. Ich hatte tüchtigen Respekt vor ihnen und das nicht unbedingt weil sie grösser waren als ich. Ihre Fäuste waren einfach schneller und härter als meine, wenn ihr versteht. Sie fingen mich jedes Mal, nach der Schule ab. Robin, Christian, Tim und Felix. Jagten mich bis nach Hause, schlugen mich und nahmen mir meine Schulsachen weg, wenn ich nicht genug aufpasste. Einmal hatten sie mir sogar auf dem Jungenklo aufgelauert, doch das war schon lange her und daran dachte ich lieber auch erst gar nicht zurück. Ich versuchte wie immer verzweifelt sie zu ignorieren, mit der Gewissheit das das eh nicht klappen würde und lief an ihnen vorbei. Robin stand schneller hinter mir, als ich auf drei zählen konnte. Er packte mich hinten am Schulsack und schleuderte mich in Richtung Christian der mich grinsend aufging und mit einem Fusstritt an Tim weitergab. Mit einer blutenden Nase wurde ich nach einer Weile an Felix weitergereicht, der mir in den Rücken boxte, bis ich fast keine Luft mehr bekam. Robin machte nach der dritten Runde nicht mehr mit und beobachtete das ganze stattdessen belustigt grinsend. Ich hätte ihm am liebsten den Kopf abgerissen, was natürlich ummöglich war, laut begann ich zu schreien. Tim sah ängstlich zu Robin hinüber. Ich hatte noch nie ausprobiert zu schreien, wenn sie mich schlugen, in der Angst sie würden mir gleich das Genick brechen. Doch jetzt hatte ich es getan, mich getraut und war mir im klaren, das ich schrecklich dafür würde büsen müssen. Robin hatte das funkeln in den Augen, dass funkeln, dasss mir immer in den Augen eines Mörders vorstellte, als er auf mich zukam. Christian hatte mir den Arm auf den Rücken gedreht und bog meinen Rücken mit seinem Bein nach vorne. Ich blutete aus der Nase und aus der Lippe, Robin schien es egal zu sein. Mit steinerner Miene musterte er mich und sagte kalt: „Leck meine Schuhe.“ Ich glaubte meine Ohren nicht zu trauen, während Felix und Tim leise kicherten. Ich sollte- was?! Robin grinste. „Du hast mich schon verstanden“ , sagte er und gab Christian ein Zeichen. Mein Rücken bog sich so weit nach vorne, dass es schmerzte. Langsam ging ich in die Knie, Felix lachen in den Ohren. Ich stiess mit meiner Nase fast auf den Boden, ich zitterte. Mir kamen die Tränen, ich schluckte sie tapfer hinunter. Ich bewegte meine Lippen um keinen Milimeter und lauschte einer Krähe, die über den Himmel flog. „Was ist los Maldewski?“ , spottete Tim. „Hast du deine Zunge verschluckt?!“ Ich sah, das Zeichen nicht, dass Robin Christian gab. Nur den Stoss in den Rücken, spürte ich mehr als alles andere. Ich rang nach Luft, neigte mich den schwarzen Schuhen vor meiner Nase zu, öffnete den Mund- und leckte.
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